Peter Bichsel über Jörg Steiner

Peter Bichsel über Jörg Steiner
Zu Gast bei Charles Linsmayer
Ein Literaturevent

Fotos: Manfred Utzinger

Peter Bichsel an Literaturveranstaltung Eventfotograf
Peter Bichsel an Literaturveranstaltung

Text von Charles Linsmayer
zum Literaturevent

Im ersten Hottinger Literaturgespräch des Jahres 2020 ging es am 28.Januar um den 2013 verstorbenen Jörg Steiner. Gesprächspartner von Charles Linsmayer war der mit Steiner fast lebenslang befreundete Peter Bichsel.

Es war kein germanistisches Gespräch. Es war eine sehr persönliche Evokation des Schriftstellers Steiner, gegenüber dem Peter Bichsel eine Art Schuldgefühl hat, weil er selbst einen grösseren Bekanntheitsgrad erreichte.
Um Steiners im Walter-Verlag erschienene Bücher ging es zunächst, «Strafarbeit», «Ein Messer für den ehrlichen Finder». Romane die durch seine Erfahrungen als Lehrer in einem Erziehungsheim geprägt sind.

Das dort eingeübte linke politische Engagement verband die beiden Schriftsteller. Sie hielten auch zusammen, als die von ihnen mitgegründete «Gruppe Olten» zu ihrem Ärger wieder so ein Klub von «Vereinsmeiern» wurde. Wie der Schriftstellerverein, den sie verlassen hatten.

Literaturlesung

Bichsel las Steiners Gedicht «Als es noch Grenzen gab» vor, das die unfreundliche schweizerische Art, mit Emigranten umzugehen, thematisiert. Aber so richtig in Fahrt kam das Gespräch erst, als es um Steiners Spätwerk, insbesondere den Roman «Der Kollege» von 1996 ging. Obwohl Bichsel, wie er sagte, «nicht viel davon hält, wenn man Literatur aufschlüsselt», gab er eine tiefsinnige Deutung dieses Romans. Den er für den persönlichsten von Steiner hält.

«Es ist Rollenprosa. Dieser Kollege ist ein anderer, aber er wird von Steiner gespielt, er ist dieser Kollege, und es ist Steiners ganz eigen Geschichte. Die Geschichte von einem, der ausgegrenzt wird, der einsam ist.»

Bichsel hat viele Figuren von Steiners Spätwerk bei seinen Gängen durch Biel mit Steiner zusammen auch selbst kennengelernt. Und er ist glücklich darüber, dass letztlich auch Steiners letztes Buch, die in Los Angeles spielende Erzählung «Ein Kirschbaum am Pazifischen Ozean» von 2008, nochmals so ein Flanierbuch wie «Der Kollege» oder «Wer tanzt schon zu Musik von Schostakowitsch» ist und man Steiner in dem Buch sofort wiedererkennt.

Peter Bichsel las in einer wunderbar persönlichen Sprechweise die letzten fünf Seiten von «Der Kollege» vor. Er beschloss den Abend mit jener Kolumne, mit der er 2013 den Freund verabschiedete und nochmals jene vielen Besuche in Biel in Erinnerung rief, bei denen die beiden nicht über Literatur sprachen, sondern einfach glücklich waren, zusammen zu sein.

Wer nicht dabei war, kann das Gespräch unter folgendem Link mithören:
http://www.linsmayer.ch/filme/lebendiger_bichsel.php

Manfred Utzinger hat wie jedesmal Bilder von dem Abend gemacht. Sie können unter folgendem Link angesehen (und bestellt!) werden!
https://utzi-foto.smugmug.com/Kunde-1/20200128-Linsmayer-Bichsel/n-3mqGsg/