Charles Lewinsky über Jeremias Gotthelf

Charles Lewinsky über Jeremias Gotthelf
Zu Gast bei Charles Linsmayer
Hottinger Literaturgespräche. Eine Autorenlesung.

Fotos: Manfred Utzinger

Text von Charles Linsmayer zur Literaturveranstaltung

Der dritte Abend der Hottinger Literaturgespräche 2019/20 stand am 26. November im Züricher Theater am Neumarkt im Zeichen von Jeremias Gotthelf. Gast von Charles Linsmayer war Charles Lewinsky. Die Filmsequenzen zu Beginn endeten denn auch gleich mit einer hinreissenden Kostprobe aus dem Musical «Gotthelf», welches Lewinsky zusammen mit dem Komponisten Markus Schönholzer 2011 am Thunersee zur Aufführung gebracht hat.

Souveräner Kenner

Lewinsky erwies sich aber auch in einem weiteren Sinne als souveräner Kenner und Interpret des Berner Dichters. Der von ihm völlig anders gesehen wird, als die beliebten Filme von Franz Schnyder ihn präsentieren. «Die Käserei in der Vehfreude», der Roman, den er seinem Musical zugrunde gelegt hat, ist für ihn einer der besten Schweizer Romane. Einer, der am Beispiel der Vehfreudiger und ihrem Ringen um eine Käserei vieles vorweggenommen hat, was in der heutigen Schweizer Politik zutage tritt.
Ohne Abstrich zur Weltliteratur aber gehört für Lewinsky der Roman «Annebäbi Jowäger». Eine Qualität, die er vor allem in der Titelfigur vorfindet, die von einem Geistlichen in tiefste Verzweiflung über ihre vermeintliche Schuld am Tod eines Enkels getrieben wird. Die darum den Tod sucht.

Wesentlich für Gotthelfs Denken ist für Lewinsky, dass er lebenslang von Pfarrern umgeben war. Er war auch selbst im Hauptberuf Pfarrer. In der Art und Weise des Schreibens deckte das Gespräch allerdings auch Verwandtes zwischen Lewinsky und Gotthelf auf. So die Tatsache, dass bei beiden die Figuren während des Schreibens gelegentlich etwas wollen, was der Autor nicht vorgesehen hat.

Autrenlesung

Lewinsky präsentierte Beispiele von Gotthelfs Sprachwitz und zeigte auf, was er in die Namen seiner Figuren hineingelegt hat. Mit dem Moderator einig war Lewinsky schliesslich auch darüber, dass in Gotthelfs Romanen die Liebe zwischen Mann und Frau eine Bedeutung bekommt. Grösser als jene von Religion und Gottvertrauen. Was für einen Pfarrer immerhin erstaunlich ist.

Lewinsky erwies sich einmal mehr als glänzender Causeur und brachte das Publikum im bis zum letzten Platz besetzten Theater am Neumarkt immer wieder herzlich zum Lachen. Wobei er den Vogel mit dem am Schluss vorgelesenen satirischen Text abschoss, in dem er Keller und Gotthelf zu einer einzigen Figur namens Jeremias Gottfried Keller zusammenbaut. Die als Sohn des Weinhändlers Erasmus Keller und der Sonntagsschullehrerin Babette Bitzius auf einer Kutschenfahrt von Murten nach Zürich zur Welt kam und in geistiger Umnachtung starb.

Es sei erlaubt, hier noch auf eines der Bilder von Manfred Utzinger hinzuweisen. Es zeigt Charles Lewinsky in fröhlicher Stimmung zusammen mit Altbundesrätin Elisabeth Kopp.

Wie immer hat Manfred Utzinger den Abend mit seiner Kamera still und fast unbemerkt eingefangen:
https://utzi‐foto.smugmug.com/....

Weitere Beiträge zum Thema Literaturveranstaltung, Literatureven tund Autorenlesung: https://utzi.ch/category/literatur/

Link zu seiner Webseite von Charles Lewinsky: https://lewinsky.ch/

Charles Lewinski und Elisabeth Kopp an Literaturveranstaltung
Charles Lewinski und Elisabeth Kopp